Artensterben in Österreich

Von geschätzt mindestens neun Millionen Tier-und Pflanzenarten weltweit ist rund eine Million vom Aussterben bedroht. Seit 1970 sind circa 60 % der Tierpopulationen verschwunden. Das betrifft aber nicht nur die Tierarten im brennenden Regenwald – auch in Österreich geht es den Tieren schlecht!

  • Insektensterben: Laut einer deutschen Langzeitstudie ist die Biomasse der Insekten in den letzten 30 Jahren um 75 % zurückgegangen. In Österreich ist die Situation ähnlich. Das Insektensterben ist einerseits katastrophal, weil damit die Nahrungsquelle für alle Tiere verloren geht, die von Insekten abhängig sind. Für den Menschen andererseits ist der Verlust der Bestäuber eine Katastrophe. Denn viele Pflanzen brauchen Bestäubung, um Früchte ausbilden zu können. Gehen die Bienen, Hummeln und Wildbienen verloren, werden diese Früchte empfindlich teurer oder verschwinden ganz vom Markt.
    Ursachen sind Pestizideinsatz und Lebensraumverlust in eintönigen Monokulturen, teilweise auch die Klimaerhitzung.
  • Vogelsterben: Die Population der Hälfte der österreichischen Singvogelarten zeigte eine abnehmende Entwicklung. Die Feldlerche zum Beispiel hat um 40 Prozent abgenommen, Vögel wie die Blauracke sind bereits ganz verschwunden. Ursachen sind vor allem das Insektensterben und Lebensraumverlust, da Wiesen oder Bäume als Brutplätze verschwinden.
  • Kleintiersterben: Auch viele Kleinsäugetiere wie Hamster, Ziesel, Fledermausarten, Feldhasen, Bayrische Kurzohrmaus und andere sind bedroht. Ursachen sind Insektensterben und Lebensraumverlust durch Monokulturen und Bodenversiegelung.

Ursachen für das Artensterben in Österreich

Die Ursachen für das Artensterben sind vielfach.

  • Industrielle Landwirtschaft: Auf riesigen Monokulturen werden nur einzelne Sorten Feldfrüchte angebaut. Für die Vielfalt anderer Pflanzen ist daneben kein Platz mehr. Der Pestizideinsatz auf diesen Flächen tötet die Insekten, Herbizide vernichten viele Kräuter und Blumen. Bäume und Grünstreifen werden zur Ertragsmaximierung entfernt, so dass Brutstätten und Zufluchtsorte verloren gehen.
    Die industrielle Landwirtschaft wird durch Fördersysteme wie die Gemeinsame Agrarpolitik der EU angetrieben, die nach Größe der Betriebe statt nach Qualität und ökologischen Folgen fördert. Außerdem sind Bäuerinnen und Bauern unter starkem Druck durch Anforderungen des Handels und durch internationale Konkurrenz (angetrieben von Handelspakten wie EU-Mercosur). Dadurch heißt es für sie oft Anpassen oder Untergehen.
  • Bodenversiegelung: In Österreich geht besonders viel Natur durch Bautätigkeiten verloren. Rund 13 ha pro Tag werden versiegelt, entsprechend einer Fläche von 20 Fußballfeldern. Unter Beton- oder Asphaltdecken ist das Leben erstickt. Zusätzlich kann Wasser kaum abfließen, auch die Filterfähigkeit des Bodens geht verloren und Hitzestaus entstehen. Ursachen dafür sind schlechte, oftmals wirtschaftsorientierte Raumplanung, eine nur aufs Auto ausgerichtete Verkehrspolitik und Inkonsequenz bei der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen.
  • Klimaerhitzung: Die Klimaerhitzung führt zu veränderten Wetterbedingungen in kurzer Zeit, an die Tiere sich nicht schnell anpassen können. Zum Beispiel fällt die Brutzeit des Schneesperlings inzwischen in eine Trockenzeit. Außerdem ist ein Teufelskreis losgegangen, denn artenarmer Boden kann weniger Kohlenstoff binden, so dass er selbst zum Klimawandel beiträgt, aber davon auch wieder betroffen ist. Ursachen für die Klimaerhitzung sind die Verbrennung von fossilen Treibstoffen wie Kohle, Gas und Öl, die industrielle Massentierhaltung und die Vernichtung von Kohlenstoffspeichern in Wäldern und Meeren durch Rodungen und Eingriffe ins Ökosystem, die die Fähigkeit zur Bindung von Kohlenstoff verringern.

Was können wir gegen das Artensterben tun?

Da die Ursachen für das Artensterben vielfach sind, sind auch die nötigen Maßnahmen vielseitig. Klar ist, dass die bisherigen Ansätze versagt haben: Politische Maßnahmen werden nicht umgesetzt, stattdessen stehen weltweit eher freiwillige Selbstverpflichtungen der Konzerne im Fokus, die kaum etwas bringen. Wir brauchen heute wirksame Gesetze und politische Maßnahmen, die tatsächlich implementiert werden.

Dazu gehört das Verbot von giftigen Pestiziden ebenso wie die Reform der Agrar-Subventionen der EU. Ein Waldschutzgesetz kombiniert mit einem Lieferkettengesetz kann von Europa aus Waldzerstörung verhindern. Globale und monopolartige Gütezeichen-Systeme, mit denen Konzerne falsche Nachhaltigkeit vorgaukeln, können bewusst einkaufende KundInnen dazu verleiten, mit gutem Gewissen schlechte Produkte zu kaufen, dürfen nicht Teil der Lösung sein. Und umfassender Klimaschutz ist auch für den Artenschutz entscheidend.

Ein entscheidender Schritt ist die nächste UN-Artenschutzkonferenz (Convention on Biological Diversity), die dieses Jahr stattfinden soll. Dort werden die Artenschutzziele für die nächsten zehn Jahre beschlossen. Doch nicht nur die Ziele sind wichtig. Die Mitgliedstaaten müssen auch ein Regelwerk beschließen, wie diese starken Ziele tatsächlich umgesetzt werden. Starke Artenschutzziele und ein Implementierungsmechanismus könnten die Grundlage für eine Trendumkehr im Artenschutz bilden – und auch in Österreich wirken. Dafür muss sich unsere Bundesregierung einsetzen!

Wir können das Artensterben stoppen – bitte fordern Sie die Bundesregierung jetzt auf, sich bei der nächsten UN-Konferenz für starke Artenschutzziele und ein effektives Regelwerk einzusetzen und auch in Österreich Maßnahmen gegen den Verlust der Vielfalt zu setzen!

Jetzt Petition unterzeichnen!

Ja, ich will dass sich die Bundesregierung bei der nächsten UN-Artenschutzkonferenz für starken Artenschutz einsetzt.

* Pflichtfelder. Der Petitionstext im Wortlaut. Wir achten auf Ihre Privatssphäre, näheres finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen. Die Ein­willigung zur Kontakt­aufnahme können Sie jeder­zeit wider­rufen via E-Mail an service@greenpeace.at oder pos­talisch an Greenpeace in der Wiedner Hauptstraße 120-124, A-1050 Wien.

Petitionstext

Von geschätzt mindestens neun Millionen Tier-und Pflanzenarten weltweit ist rund eine Million vom Aussterben bedroht.

Sehr geehrte Bundesministerin Gewessler,

Von den derzeit geschätzt mindestens neun Millionen Arten ist eine Million vom Aussterben bedroht. Doch die bisherigen Ansätze, diese gewaltige Bedrohung in den Griff zu bekommen, haben versagt: Freiwillige Selbstverpflichtungen der Konzerne haben kaum etwas geändert, während die meisten politischen Maßnahmen nicht umgesetzt wurden. Die 2010 gesetzten Aichi-Artenschutzziele für 2020 wurden daher komplett verfehlt – keines ihrer Ziele wurde erreicht.

Wir brauchen daher jetzt wirksame Gesetze und politische Maßnahmen, die tatsächlich implementiert werden.

Bei der kommenden CBD-Artenschutzkonferenz (Convention on Biological Diversity) der UN, die nach der Verzögerung durch Covid-19 2021 nachgeholt werden soll, werden die Artenschutzziele für die nächsten zehn Jahre beschlossen. Zum einen brauchen wir starke Ziele. Zum anderen müssen aber die Mitgliedstaaten dort auch ein Regelwerk beschließen, wie diese starken Ziele tatsächlich umgesetzt werden, sowohl auf internationaler als auch auch nationaler Ebene. Nur so kann vermieden werden, dass sich das Versagen der Weltgemeinschaft beim Artenschutz wiederholt – und tausende weitere Arten für immer verschwinden, mit ungeahnten Folgen für alle Ökosysteme, für das Klima und für die menschliche Ernährung.

Ich bitte Sie daher:

  • Setzen Sie sich bei der nächsten CBD-Artenschutzkonferenz für starke Artenschutzziele und eine starkes Regelwerk ein, um sie zu erreichen!
  • Sorgen Sie auch in Österreich dafür, dass diese Ziele effektiv und schnell umgesetzt werden.

Wir können das Artensterben noch stoppen. Bitte tun Sie alles, um das zu ermöglichen!


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