veröffentlicht am 06.10.2021

Manifest zur Erhaltung der Biodiversität

Greenpeace fordert gemeinsam mit Attac, Katholische Jungschar Österreichs, Fridays for Future und Via Campesina Kurswechsel im Umgang mit unserer Natur

Kickingereder (Katholsche Jungschar Österreichs) Forster (ÖBV-Via Campesina) Bittner (Greenpeace) Strickner(Attac) Laubender (Fridays for Future) (c) Kurt Prinz_Greenpeace

Das Manifest beinhaltet 13 Grundsätze. Diese geben die Richtung vor, wie eine globale und sozial-ökologische Wende in der Politik sowie auch in allen relevanten Wirtschaftssektoren aussehen muss, um den Schutz der Artenvielfalt für die Zukunft zu sichern. Das oberstes Ziel ist der ganzheitlichen Naturschutz und Sicherung der Rechte künftiger Generationen. Das Manifest wurde anlässlich der kurz bevorstehenden 15. UN-Biodiversitätskonferenz CBD (Convention on Biological Diversity) von 11. bis 15. Oktober 2021 veröffentlicht. Die Organisationen fordern die österreichische Bundesregierung auf, dieses auf internationaler Ebene in die CBD-Verhandlungen einzubringen und sich darüber hinaus für starke Biodiversitätsziele einzusetzen.

Artenschutz muss über alle Bereiche hinweg mitgedacht werden

„Weltweit sterben jeden Tag 150 Tier- und Pflanzenarten aus. Allein in Österreich sind 39 Prozent aller Tierarten gefährdet, jedes zweite Wirbeltier ist bedroht. Wenn wir jetzt nicht eine rasante und nachhaltige Trendwende einleiten, verlieren wir viel mehr als die bunte Vielfalt - wir verlieren unsere Lebensgrundlage. Es ist höchste Zeit, dass wir unser Wirtschaftssystem nach den Menschen und der Natur ausrichten anstatt nach dem Gewinn und Profit einiger weniger“

Ursula Bittner, Wirtschaftsexpertin bei Greenpeace Österreich

Energieversorgung, Verkehr, Landwirtschaft, Handel und Fischerei müssen so gestaltet werden, dass Artenvielfalt gefördert wird und Ökosysteme intakt bleiben. Etwa braucht es ein starkes Waldschutz- sowie Lieferkettengesetz. Diese müssen dafür sorgen, dass keine Produkte mehr auf den Markt kommen, die Ökosysteme zerstören und Menschenrechte verletzen. Zudem muss beispielsweise der Verkehr klimagerecht besteuert und etwa in Österreich erneuerbare Energie bis 2030 zu 100 Prozent ausgebaut werden. Das nächste halbe Jahr wird für die Zukunft der Artenvielfalt entscheidend sein: Im Rahmen der CBD diskutiert die internationale Staatengemeinschaft die globalen Biodiversitätsziele für die Dekade 2020 bis 2030. Dieser neue Rahmen soll im Frühling 2022 im chinesischen Kunming beschlossen werden und löst die Aichi-Ziele ab - von denen bis heute keines erfüllt wurde. Nach wie vor gibt es keine Verbesserungen bei der Land- und Meeresnutzung, ein Ende von schädlichen Subventionen oder einen besseren Zustand der biologischen Vielfalt.

Lebensräume sind durch angebliche Marktlösungen nicht ersetz- und austauschbar

Der massive Artenverlust ist das Ergebnis von verfehlter nationaler und internationaler Wirtschafts-, Agrar- und Handelspolitik. Bis dato gesetzte Maßnahmen waren unzureichend und erfolglos. Statt konsequenter gesetzlicher Vorgaben wurde bisher schon zu lange auf falsche Maßnahmen wie Zertifizierungen gesetzt. Dazu zählt auch der Biodiversitäts-Offsetting Ansatz – also der angebliche Ausgleich von zerstörter Biodiversität durch Schutzmaßnahmen in anderen Teilen der Welt.

„Lebensräume und die Artenvielfalt sind nicht durch eine Art Ablasshandel ersetz- und austauschbar. Bei der kommenden UN-Biodiversitätskonferenz muss Österreich gemeinsam mit den anderen Staaten dieser Scheinlösung eine klare Absage erteilen.“

Alexandra Strickner, Attac Österreich

UN-Deklaration für die kleinbäuerlichen Rechte muss in der Biodiversitätspolitik verankert werden

Ebenso müssen indigene und lokale Bevölkerungsgruppen als ExpertInnen konsequent in Naturschutz mit eingebunden werden und mitentscheiden können. Schutzflächen dürfen nicht die einzige Lösung sein, stattdessen muss eine Agrar- und Ernährungswende eingeleitet werden. Die Ziele für die Landwirtschaft müssen etwa deutlich weniger Pestizide und Düngemittel sowie tierische Produkte und damit auch weniger klimaschädliche Treibhausgase sein. Zudem müssen auch ressourcenintensive Wirtschafts- und Lebensweisen global und gerecht reduziert werden

„Die kleinbäuerliche, vielfältige Landwirtschaft hat die Schlüsselrolle, um in Zukunft die Welternährung zu sichern und zugleich die Biodiversität nachhaltig zu erhalten. Das ist aber nur möglich, wenn die Existenzgrundlagen und die Rechte der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen auch gesichert sind. Die UN-Deklaration für die kleinbäuerlichen Rechte ist die menschenrechtliche Basis für die notwendige agrarökologische Wende. Wir fordern ihre Verankerung in der Biodiversitätspolitik“

Franziskus Forster von der ÖBV- Via Campesina Austria

Biodiversität muss für kommende Generationen erhalten bleiben

Besonders bedeutend ist das Massensterben der Arten für die nachfolgenden Generationen - denn sowohl die Klimakrise als auch die globale Biodiversitätskrise beschleunigen sich exponentiell. “Die Politik muss endlich begreifen, dass die Klima- und Artenkrise eng miteinander verknüpft sind,” fordert Philipp Laubender, Aktivist bei Fridays for Future.

„Die Politik muss endlich begreifen, dass die Klima- und Artenkrise eng miteinander verknüpft sind. Durch die Klimakatastrophe werden zahlreiche Arten ausgelöscht, die auch für unser Überleben wichtig sind. Es bleibt keine Zeit zu warten - die Politik muss endlich handeln, damit auch noch meine Generation eine lebenswerte Zukunft mit einer bunten Artenvielfalt erleben kann.“

Philipp Laubender, Aktivist bei Fridays for Future

Artenkrise ist auch eine Kinderrechtskrise

„Der Verlust an Biodiversität und die Klimakrise gefährdet insbesondere die Zukunftsperspektive und Rechte von Kindern und nachfolgenden Generationen. Damit ist die Artenkrise eine Kinderrechtskrise. Kinder haben ein Recht auf eine gesunde und intakte Umwelt und entsprechend gehört zu werden.“

Sigrid Kickingereder von der Katholischen Jungschar

Österreich soll die UN Resolution zur „Verwirklichung von Kinderrechten durch eine gesunde Umwelt” aus dem Vorjahr umsetzen und sich auch für eine bevorstehende Resolution im Menschenrechtsrat zu einem “Menschenrecht auf eine gesunde Umwelt” einsetzen.

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